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Samstag, 04. September 2010

Die Artillerie

Die Kanoniere: Friedhelm Möhle / Ulrich Wolter

Artilleristen gab es im Bonner Stadtsoldaten-Corps schon vor dem Jahr 1903. Sie bildeten jedoch noch keine eigene Formation, sondern gehörten der Infanterie an. Ihr bestes Stück, die Kanone, wurde im Jahr 1900 von dem Klempnermeister Gottfried Spindler angefertigt und dem Corps gestiftet. Noch heute ist sie schussfähig, wird aber nicht mehr mitgeführt, da sie 1989 durch einen den heutigen Waffengesetzen entsprechenden Neubau ersetzt wurde.

Am Dienstag, dem 17. Februar 1903 entschlossen sich sechs Artilleristen, eine eigene Formation zu gründen. Der damalige Kommandant des Corps, Ignaz Parmentier, berief den Major Wilhelm van Dorp zum Führer der Artillerie. Zu den weiteren Gründern gehörten die Kameraden Mühlens, Seifert, Carthaus, Pfafferoth, Graf und Berressem.

"Klein aber fein", so lautete schon damals unsere Parole, denn was die Mannschaftsstärke anbelangt, so können wir uns nur schwerlich mit den anderen Formationen messen. Unsere Schlagkraft ist jedoch gewaltig, stelle man sich doch einmal den Sturm auf das Bonner Rathaus ohne die Artillerie und ihre Kanone vor.

Wilhelm von Dorp führte die Artillerie bis zum Jahre 1914; die schönen Friedensjahre wurden durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. Erst im Jahre 1919 schlossen sich die Kameraden erneut zusammen. 1920 übernahm Hauptmann Adam Segschneider die Führung der Artillerie. Ihm gelang es, nicht nur neue Kameraden hinzuzugewinnen, sondern auch eine bewährte Tradition fortzusetzen. Und so zog er an den Karnevalstagen stolz an der Spitze seiner Truppe gegen Grießgram und Muckertum zu Felde. Die Kanone, die Protze und der Pulverwagen waren gefüllt mit Munition - Kamelle, Apfelsinen und Blumensträußchen. In dieser Zeit wurde es zur Tradition, dass man sich nach erfolgreicher "Schlacht" am Karnevalsdienstag-Abend bei Adam Segschneider zusammenfand, um in gemütlicher Runde den "Sieg" zu feiern. Das änderte sich erst, als die Geschwister Segschneider ihre Drogerie aus Altersgründen aufgeben mussten.

Von 1930 bis 1937 führte Hauptmann Jean Scherr die Artillerie, dann musste er wegen Krankheit sein bewährtes Amt zur Verfügung stellen.

Nun begann die "Dynastie Waltering": Der seit 1926 amtierende Zeugmeister ("Mottebär") Oberst Johannes Waltering übernahm 1937 die Führung der Geschützformation. Während des zweiten Weltkrieges wurde Bonn in großen Teilen zerstört. Auch das Zeughaus blieb nicht verschont. Wie durch ein Wunder blieb unsere Kanone jedoch heil. Die Militärbehörden verboten allerdings jedes öffentliche Auftreten des Bonner Stadtsoldaten-Corps. Oberst Johannes Waltering versichte mit Erfolg, die Artillerie wieder auf die Beine zu stellen. Es wurden kleine und gemütliche Familienfeste arrangiert, zu denen jeder Lebensmittelkarten beisteuerte. Die heute noch sprichwörtliche Artilleriekameradschaft funktionierte wieder; und wenn man feierte, dann erzählte man von "alten Zeiten", lachte und tanzte.

1958 übertrug Johannes Waltering sein Amt seinem Sohn, Oberst Heinz Waltering. Mit viel Elan machte der sich daran, neue junge Mitglieder für die Artillerie zu werben. Monatliche Kameradschaftsabende wurden ins Leben gerufen. Auch die Familien wurden integriert. Fahrten und Veranstaltungen, an denen sich die Artillerie mit "Kind und Kegel" beteiligt, sorgen immer noch für eine familiäre Atmosphäre in unseren Reihen, in denen auch die Ehefrauen nicht abseits stehen.

Ganz im Sinne seiner Vorgänger führte seit 1980 Hauptmann Christof Lehmeier die Artillerie, an der die harten Zeiten der Heimatlosigkeit (4 Jahre ohne Zeughaus), unbeschadet vorübergingen. Wir trafen uns in diversen Bonner Gaststätten oder aber - und das sind nach wie vor die schönsten Zusammenkünfte - zu privaten Einladungen in Gärten oder Partykellern von Artilleristen.

Orden zum 100. Jubiläum der Artillerie im BStC

Ab 1994 übernahm Leutnant Manfred Roesberg die Führung der Artillerie. Er trat 1966 als aktiver Infanterist in das Bonner Stadtsoldaten-Corps ein, ergriff sich 1970 den Kochlöffel und wurde dann bis 1976 Corps-Koch bei der Artillerie. Nach einer freiwilligen Pause von 18 Jahren bat man ihn, wieder ins Corps einzutreten und die Artillerieführung zu übernehmen.

Höhepunkt einer jeden Session sind natürlich die "drei tollen Tage". Am Karnevalssonntag kommt vor allem die Schlagkraft der Artillerie zur Geltung, wenn unser goldblitzendes Prunkstück vom Obelisk auf dem Marktplatz aus das Rathaus sturmreif schießt. Und wenn dann am Aschermittwoch die Uniformen "eingemottet" werden, ist das Artillerie-Leben noch lange nicht zu Ende. Gerade jetzt zeigt sich in unserer kleinen Formation, dass Kameradschaft und persönlicher Kontakt einen hohen Stellenwert einnehmen.

Höchster Feiertag der Artillerie ist das Fest der hl. Barbara, der Schutzpatronin aller Artilleristen. Die Barbarafeier wird von Angehörigen unserer Formation, aber auch von vielen Freunden gerne besucht. Bei gutem Essen und Trinken feiert die ganze Artilleriefamilie mit Tanz, Tombola und vielen Darbietungen aus eigenen Reihen. Neue Mitglieder, die ihren ersten Feldzug hinter sich haben, werden an diesem Abend mit dem heißbegehrten Artillerie-Orden ausgezeichnet. Wegen der Schutzheiligen heißt die Marketenderin der Artillerie nicht so oder Mariechen, sondern, wie kann es anders sein, "Barbara".

Einmal im Jahr treffen wir uns mit Angehörigen und Freunden zu einem Ausflug oder auch nur zu einer Tagestour mit dem Bus oder dem Fahrrad. Damit sich dabei niemand überanstrengt, gibt es ausreichende Pausen. Dass dabei das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, ist bei der Artillerie Ehrensache.

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100-jähriges Bestehen der Artillerie am 17.02.2003

 

Am 17. Februar 2003 feierte die Artillerie ihr 100-jähriges Bestehen:
Die Jahre kommen, die Jahre gehen - die Artillerie-Kameradschaft aber bleibt bestehen.